Warum Pausen für unser Nervensystem lebenswichtig sind – und was wir von Katzen lernen können 🐾
Pause machen: Meine Katze Chloe ist eine Meisterin im Pausenmachen.
Egal ob Montag, Donnerstag oder Sonntag.
Egal ob morgens, mittags oder abends.
Chloe gönnt sich regelmäßig ihre Pausen.
Sie fragt mich nicht, ob sie darf.
Sie sagt auch nichts wie:
„Ich mache erst noch XY – und dann mache ich Pause.“
Chloe macht einfach ihre Pausen. Punkt.
Warum wir Pausen oft falsch verstehen
Wir Menschen verbinden Pausen häufig mit etwas, das wir uns erst verdienen oder erarbeiten müssen.
Nach dem Motto: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen – oder eben die Pause.
Das Problem an diesem Gedanken ist, dass Pause dadurch wie ein Luxus erscheint.
Etwas, das man sich auch mal verkneifen kann. Oder muss.
Dabei sind Pausen – und das weiß der kleine Körper meiner Katze instinktiv – notwendige Bestandteile eines gesunden Lebens und Überlebens.
Genau wie Essen und Trinken.
Unser Körper kann viel – aber nicht ohne Pausen
Genau wie meine Katze Chloe haben auch wir einen wundervollen Körper, der uns so vieles erlaubt:
Bewegung
Denken (quasi mentale Bewegung)
Essen, Trinken, Reden
über eine Wiese laufen und eine Blume pflücken
einen Hammer in die Hand nehmen und einen Nagel in die Wand schlagen
stundenlang vor dem Computer sitzen und Excel-Tabellen ausfüllen
All das kostet Energie.
Und all das braucht Pausen, damit wir resetten.
Damit sich unsere inneren Batterien wieder aufladen – genauso wie beim Essen und Trinken.
Was ist eigentlich eine Pause – und wie kann man sie gestalten?
Eine Pause ist nicht einfach das Aufhören mit Arbeit.
Sie ist ein Wechsel des inneren Zustands.
Eine Pause ist der Zustand, in dem unser Nervensystem herunterfährt –
in dem es vom Aktivierungsmodus in den Ruhemodus schaltet.
In diesem Zustand wird die Atmung ruhiger, die Muskeln lassen nach, der Blick wird weiter.
Der Körper wechselt vom Funktionieren zurück ins Spüren –
Regeneration wird möglich.
Wenn wir Pausen unter diesem Blickwinkel betrachten,
könnten wir zu dem Schluss kommen,
dass manche unserer vermeintlichen Pausen keine wirklichen Pausen sind.
Ein paar Minuten im Internet zu scrollen kann das Gehirn weiterhin im Aktivierungsmodus halten.
Auch Fernsehen oder Computerspiele wirken oft eher aktivierend als regulierend.
Und wer kennt nicht Sätze wie:
„Ich mache mal kurz Pause und hole mir schnell etwas zu essen.“
Kann hier wirklich Erholung stattfinden,
wenn wir zwischen Terminen hastig zum Bäcker laufen,
uns ein belegtes Brötchen holen
und es im Gehen schnell verschlingen?
Pausen brauchen vor allem weniger Tempo und weniger Reize.
Zum Beispiel, indem wir:
- den Reizpegel senken: statt aufs Handy in die Natur schauen
- unser Tempo verlangsamen: langsamer atmen oder bewusst gehen
- eine Sache nach der anderen tun: statt im Gehen zu essen, sich hinsetzen und mit allen Sinnen genießen
- in Kontakt mit dem Körper kommen: etwa durch eine Dusche oder ein Bad
- uns am Hier und Jetzt orientieren: wahrnehmen, was wir gerade sehen, hören oder riechen
Wie oft sollte man Pausen machen?
Wie oft sollte man eigentlich Pausen machen –
und woran merkt man, dass es Zeit dafür ist?
Meine Katze Chloe orientiert sich an ihren Körpersignalen.
Sie nimmt wahr, dass sie müde ist – und macht Pause.
Ganz einfach.
Auch für uns Menschen ist dieser Zugang über den eigenen Körper zentral.
Wir dürfen wieder mehr in uns hineinspüren, um wahrzunehmen,
wie voll unsere innere Batterie gerade ist.
Schon allein deshalb, weil wir alle unterschiedlich sind.
Und weil es auch in unserem eigenen Leben unterschiedliche Phasen gibt:
- Phasen, in denen wir belastbarer sind
- und Phasen, in denen wir schneller ermüden und häufiger oder längere Pausen brauchen
Neurowissenschaftliche Orientierung: Pausen im Alltag
Manche Menschen tun sich schwer, die eigenen Bedürfnisse und Körpersignale wahrzunehmen.
In solchen Fällen kann es hilfreich sein, sich an neurowissenschaftlichen Erkenntnissen zu orientieren.
Unser Nervensystem arbeitet in Wellen:
Phasen von Fokus und Anspannung wechseln sich mit Phasen von Erholung ab.
Diese Zyklen dauern im Durchschnitt etwa 60 bis 90 Minuten.
Danach braucht das Nervensystem eine kurze Gelegenheit, um herunterzufahren.
Nicht erst abends.
Sondern mehrmals am Tag.
Wie könnte das konkret aussehen?
Nach einer Phase konzentrierter Arbeit kann es helfen, kurz zu unterbrechen –
nicht, um sofort etwas Neues zu beginnen,
sondern um die anhaltende Aktivierung zu lösen.
Das kann ganz pragmatisch sein:
- ein paar tiefe Atemzüge nehmen
- aufstehen, sich strecken, aus dem Fenster schauen
- ein Glas Wasser trinken und dabei wirklich schmecken
- für zwei bis fünf Minuten nach draußen gehen oder frische Luft hereinlassen
Es geht dabei nicht um lange Auszeiten,
sondern um kleine Umschaltmomente,
die dem Nervensystem helfen, sich immer wieder zu regulieren.
Denn:
Kleine, regelmäßige Pausen sind kein Luxus –
sie sind eine biologische Notwendigkeit.
Was Andrew Huberman und Tara Swart über Pausen sagen
Interessant und hilfreich zum Thema Pause sind auch die Erkenntnisse meiner beiden Lieblingsneurowissenschaftler
Andrew Huberman und Tara Swart.
Beide betonen unabhängig voneinander,
dass unser Nervensystem keine Erholung „auf Vorrat“ speichern kann.
Es funktioniert nicht nach dem Prinzip: lange durchhalten –
und dann einmal im Jahr im Urlaub alles ausgleichen.
Andrew Huberman beschreibt,
dass unser autonomes Nervensystem regelmäßige Umschaltmomente braucht:
kurze Phasen im Alltag, in denen Aktivierung bewusst unterbrochen wird
und parasympathische Prozesse Raum bekommen.
Tara Swart betont vor allem die langfristige Perspektive:
Unser Gehirn reagiert auf das, was wir regelmäßig tun –
nicht auf seltene Ausnahmen.
Wer Erholung immer wieder aufschiebt,
trainiert langfristig Stressnetzwerke statt Regenerationsfähigkeit.Beide kommen im Kern zu derselben Aussage:
Erholung wirkt dann am nachhaltigsten, wenn sie regelmäßig stattfindet –
nicht nur gelegentlich.
Fazit: Was wir daraus mitnehmen können
Was lässt sich aus all dem nun folgern?
Zum einen dürfen wir uns immer wieder daran erinnern,
dass Pausen kein Luxus sind,
sondern notwendig –
und dass wir sie uns regelmäßig erlauben dürfen. Wenn du dabei Unterstützung brauchst, stehe ich dir gern an deiner Seite.
Und zum anderen zeigt meine Katze Chloe sehr eindrücklich,
wie klug sie ist:
Das, was Neurowissenschaftler wie Andrew Huberman und Tara Swart
aus Studien ableiten,
setzt meine kleine Chloe ganz selbstverständlich und instinktiv um. 🐾



